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Gemeinsame Initiative gegen Gewalt am Arbeitsplatz im Gesundheitswesen
 
Angesichts einer steigenden Zahl von Fällen der Gewalt im Gesundheitssektor, von der weltweit durchschnittlich jeder zweite Beschäftigte dieses Sektors betroffen ist, wurde eine gemeinsame Initiative von Organisationen aus den Bereichen Arbeit, Gesundheit und Öffentlicher Dienst ins Leben gerufen mit dem Ziel, den im Gesundheitswesen Tätigen zu helfen, ihre Ängste vor Übergriffen, Demütigung und sogar Tötung am Arbeitsplatz zu bewältigen.

Die gemeinsame Arbeitsgruppe - bestehend aus der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Öffentlicher Dienst International (PSI) und dem Internationalen Rat der Pflegefachkräfte (ICN) - hat während eines Treffens in der ILO-Zentrale in Genf eine Reihe von Rahmen-Richtlinien gegen Gewalt am Arbeitsplatz im Gesundheitssektor herausgegeben.

Die Initiative ist eine Reaktion auf das weltweit zunehmende Problem in Krankenhäusern und an anderen Arbeitsplätzen im Gesundheitssektor, und zwar in Entwicklungs- wie auch Industrieländern. Untersuchungen zeigen, dass fast 25 Prozent aller gewalttätigen Übergriffe am Arbeitsplatz im Gesundheitssektor stattfinden und dass mehr als 50 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen solches persönlich erlebt haben.

Der heutige Wissensstand ist nur die Spitze des Eisbergs", sagt der Spezialist für internationale Sicherheit und Gesundheit, Vittorio di Martino, der Gewalt am Arbeitsplatz für die Arbeitsgruppe untersucht hat. "Die enormen Kosten aufgrund von Gewalt am Arbeitsplatz für den einzelnen, den Arbeitgeber und die Gemeinschaft insgesamt werden immer augenfälliger. Die Folgen derartiger Gewalt haben bedeutsame Auswirkungen auf die Effektivität der Gesundheitssysteme, vor allem in Entwicklungsländern."

Frauen sind besonders gefährdet. Während Rettungssanitäter gemäß dem Report den größten Risiken ausgesetzt sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Krankenschwestern Gewalt am Arbeitsplatz erleben im Durchschnitt dreimal höher als in anderen Berufsgruppen. Da die meisten Beschäftigten im Gesundheitssektor Frauen sind, ist die Genderdimension des Problems offensichtlich.

Im Einklang mit der Europäischen Kommission definieren die Richtlinien Gewalt am Arbeitsplatz als "Vorfälle, in denen Beschäftigte im Zusammenhang mit ihrer Arbeit, einschließlich des Wegs zur Arbeit und des Heimwegs missbraucht, bedroht oder angegriffen werden." Obwohl Gewalt am Arbeitsplatz ein ernstes Problem in allen Dienstleistungsbereichen geworden ist, zeigen einschlägige Untersuchungen, dass Beschäftigte im Gesundheitswesen zu denen gehören, die besonderen Risiken ausgesetzt sind:
  • In den Vereinigten Staaten sind Beschäftigte im Pflegebereich 16 mal größeren Risiken von Gewalt ausgesetzt als andere Beschäftigte im Dienstleistungssektor. Mehr als die Hälfte aller Beschwerden wegen Gewalt am Arbeitsplatz in den USA kommen aus dem Gesundheitssektor.
  • Im Vereinigten Königreich berichteten fast 40 Prozent der Beschäftigten im National Health Service, dass sie im Jahre 1998 gemobbt wurden.
  • In Australien haben rd. 67 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitssektor im Jahre 2001 physische oder psychische Gewalt erlebt.
  • Verbreitete Gewalt am Arbeitsplatz gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen ist nicht auf die industrialisierte Welt beschränkt. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten im Gesundheitssektor in Bulgarien (75.8 Prozent), Südafrika (61 Prozent) und Thailand (54 Prozent) und 46.7 Prozent in Brasilien haben im Jahre 2001 mindestens einen Fall von physischer oder psychischer Gewalt erlebt.
  • Untersuchungen zeigen auch, dass psychische Gewalt im Gesundheitswesen - einschließlich Beleidigungen und Mobbing - häufiger ist als physische Gewalt, zwischen 40 und 70 Prozent der Opfer berichten von Stresssymptomen.
  • Gewalt am Arbeitsplatz betrifft alle Berufsgruppen, Geschlechter und Arbeitsbereiche im Gesundheitssektor. Die höchste Rate von Vorfällen wurde jedoch von Rettungssanitätern, Krankenschwestern und Ärzten berichtet. Große Krankenhäuser in Vororten, dichtbesiedelten Gebieten oder solchen mit hoher Kriminalitätsrate sowie Krankenhäuser in einsamen Gegenden sind besonders gefährdet.
  • In vielen Ländern mangelt es an Berichterstattung und die Täter werden nicht verfolgt. Strategien im Kampf gegen Gewalt am Arbeitsplatz im Gesundheitswesen haben noch einen weiten Weg vor sich, angefangen bei der Bewusstseins- und Verständnisbildung bei den Beschäftigten im Gesundheitssektor und anderen betroffenen Parteien auf allen Ebenen.

Die oben genannten Richtlinien sollen all jene unterstützen, die für die Sicherheit am Arbeitsplatz verantwortlich sind - seien es Regierungen, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Gewerkschaften, Berufsverbände oder die allgemeine Öffentlichkeit.

Die Richtlinien befürworten die Entwicklung einer auf den Menschen bezogenen Arbeitsplatzkultur, basierend auf Würde, Nicht-Diskriminierung, Chancengleichheit und Zusammenarbeit, einschließlich einer klaren Grundsatzerklärung zu Gewalt am Abeitsplatz seitens der obersten Führungsebene und bewusstseinsbildende Aktivitäten auf allen Ebenen.

Die ILO wird voraussichtlich im Oktober 2003 einen Leitfaden für die Praxis (Code of Practice) zu Gewalt und Stress am Arbeitsplatz - eine Bedrohung für Produktivität und Menschenwürdige Arbeit herausgeben.

Quelle: Internationale Arbeitsorganisation (ILO)
Metainfo:
Autor: Harald Kviecien; Copyright: One Health Forum; Publiziert von: Harald Kviecien (kviecien)
factID: 121634.1; Publiziert am 02 Jun. 2003 15:54
 
Verweis(e) (1):
n/a26 Aug. 2009