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Länger arbeiten bedeutet auch länger leben
 
Je früher ein Mensch aus der Arbeitswelt ausscheidet und in den Ruhestand wechselt, desto geringer ist seine Lebenserwartung. Dies scheint eine britische Studie zu belegen.

Wer früher in den Ruhestand geht, hat entgegen einer weit verbreiteten Einschätzung deswegen nicht länger zu leben: Nach einer im BMJ (British Medical Journal) veröffentlichten Studie britischer Forscher ist die Lebenserwartung derer, die frühzeitig in Pension geht nicht höher, im Gegenteil, je früher ein Beschäftigter aus der Arbeitswelt ausscheidet, desto höher ist die Mortalität. Für die Studie wurden die Daten von 3500 Beschäftigten eines amerikanischen Ölkonzerns bis zu 26 Jahre lang verfolgt (1973 - 2003). Wer sich mit 55 Jahren aus der Firma verabschiedete, wurde demnach durchschnittlich 72 Jahre alt. Die bis zum Alter von 60 Jahren Beschäftigten starben dagegen erst mit 76. Und wer bis 65 Jahre im Unternehmen blieb, wurde sogar 80 Jahre alt. Die Forscher kamen zu dem Fazit: "Die Lebenserwartung verbessert sich mit zunehmendem Pensionsalter."

Die Autoren betonen, dass sie zwar Angaben zur Sterblichkeit der Untersuchten hatten, nicht aber über die jeweiligen Gründe für den Gang in den Vorruhestand. Für die Studie wurde berücksichtigt, dass höchstwahrscheinlich einige Betroffene ihren Arbeitsplatz aus gesundheitlichen Gründen früher verließen. Auch Faktoren wie Geschlecht und gesellschaftliche Stellung wurden eingerechnet.

Interessant wäre auch der Vergleich zwischen in der Privatwirtschaft tätigen und Menschen, die ihr ganzes Leben in Bereichen des öffentlichen Dienstes zugebracht haben, wo der persönliche Handlungsspielraum oft sehr gering ist, und zusätzlich eine Job-Sicherheit heute auch dort nicht mehr gegeben ist.

Von großem Interesse scheint auch die Frage, wie sich die Verfügbarkeit von Erwerbsarbeit im Gegensatz zu erwerbslosen Zeiten und eine lange durchschnittliche Lebensarbeitszeit auf Menschen auswirkt, die heute zwischen 25 und 35 Jahre alt sind und diese "flexible" Unbestimmtheit von Arbeit der heutigen Zeit sozusagen schon als normal wahrnehmen.

Wieviele dieser Menschen damit unzugehen gelernt haben und die erwerbsfreien Zeiten zur persönlichen Entwicklung nutzen. Wieviele dieser Menschen bereits auf diese moderne Unsicherheit adaptiert sind und welchen Einfluss dies auf die individuelle Gesundheit (also auch auf die Lebenserwartung) als auch auf die Gesundheit einer Gesellschaft und somit auf die Finanzierbarkeit dieser Volkswirtschaft hat.

Diese Fragen, besonders die der individuellen Auswirkungen auf Gesundheit sollten bedacht werden, wenn über längere Arbeitszeiten diskutiert wird.

Derzeit wird in vielen Industriestaaten über eine Ausweitung der Arbeitszeiten diskutiert. Im Gespräch ist sowohl eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit als auch eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters. Das Ziel ist einerseits mittelfristig mehr Wachstum zu erzeilen und andererseits langfrisitg die Pensionssysteme zu sichern.

Gesundheitsförderung als Grundlage gesunder Arbeit

Die sinnvolle und gesundheitsfördernde Gestaltung von Arbeit über das gesamte Leben sowohl individuell als auch in größeren Strukturen wie Unternehmen oder öffentlichen Organisationen sollte Ziel unserer Gesellschaft sein und in die öffentliche Diskussion einbezogen werden.

Ziel sollte auch sein, mehr interessante Arbeit zu schaffen, auf dem vielzitierten "Weg in die Wissensgesellschaft" herrscht ohnehin ein hoher Bedarf an gut ausgebildeten Wissensarbeitern, die über das Potential für lebenslanges Arbeiten bei gleichzeitigem Erhalt ihrer Gesundheit verfügen.

Literatur:
Shan P Tsai et. al., 2005, Age at retirement and long term survival of an industrial population: prospective cohort study, BMJ, doi:10.1136/bmj.38586.448704.E0
Metainfo:
Autor: Harald Kviecien; Copyright: ohc; Publiziert von: Harald Kviecien (kviecien)
factID: 219386.2 (...Archiv); Publiziert am 26 Okt. 2005 18:02